Marco, der Kryptokenner, ist auf mich zugekommen. Wir sollten eine Kooperation anstreben, den bei der Geldanlage, dem Vermögen aufbauen und den klassischen Anlagemöglichkeiten, wie Aktien, Immobilien, ETF und Weiteren gehört eigentlich auch das Thema Krypto dazu.
Marco Schneekluth ist Bitcoin-Enthusiast, YouTube und Gründer und Betreiber von kryptokenner.de. Seit 2014 beschäftigt er sich mit Bitcoin, der Blockchain-Technologie und dem sicheren Investieren in Kryptowährungen. In seinen Beiträgen verbindet er technisches Know-how mit praktischen Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Im Folgenden ist daher der erste von zwei Artikeln entstanden, welche ich gerne mit euch teilen würde:
Bitcoin oder ETF? Warum die Frage vielleicht falsch gestellt ist
Ein Plädoyer für sinnvolle Portfolio-Gewichtung und ein neues Verständnis digitaler Vermögenswerte
Wenn es um Geldanlagen geht, scheint sich zunehmend eine polarisierte Debatte zu entwickeln. Auf der einen Seite stehen konservative Anleger, die auf ETFs und den breiten Aktienmarkt setzen, auf der anderen Seite Krypto-Enthusiasten, die Bitcoin als die Zukunft des Geldes betrachten. Doch diese Gegenüberstellung greift zu kurz und verkennt die eigentliche Stärke beider Ansätze. Denn wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte nicht in Entweder-oder-Kategorien denken, sondern in sinnvollen Gewichtungen.
Doch wie viel Bitcoin macht Sinn und mit welcher Faustformel sollte man eine Allokation planen? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, wollen wir zunächst auf die Unterschiede zwischen den Assets eingehen.
Unterschiedliche Funktionen im Portfolio
ETFs stehen für Stabilität, Diversifikation und langfristiges Wachstum. Sie bündeln hunderte – teils tausende – Aktien in einem einzigen Produkt und bilden damit breite Marktsegmente ab. Der MSCI World etwa umfasst über 1.500 Unternehmen aus Industrieländern weltweit. Damit partizipieren Anleger am globalen Wirtschaftswachstum, gestützt auf reale Unternehmensgewinne, Produktivitätszuwächse und Innovationen. Die zugrundeliegende Logik, die einen Großteil der Anleger zu diesen Investments hintreibt, gilt als robust. Solange es wirtschaftlichen Fortschritt gibt, steigt langfristig auch der Wert solcher Fonds. Durch Sparpläne erlangen viele Anleger auch dann einen Vorteil, wenn die wirtschaftliche Entwicklung schwächer ausfällt. Sie investieren fortlaufend und der Durchschnittskosteneffekt mildert Schwankungen ab und rentiert sich damit noch stärker in Aufwärtsphasen.
Bitcoin hingegen erfüllt eine völlig andere Funktion. Die Technologie wurde nicht geschaffen, um regelmäßige Erträge zu generieren, sondern um ein digitales, inflationsresistentes Gegengewicht zum bestehenden Geldsystem zu bilden. Mit einer maximalen Menge von 21 Millionen Einheiten und einem dezentral organisierten Netzwerk bietet Bitcoin Eigenschaften, die mit klassischen Finanzinstrumenten nicht vergleichbar sind. Eine garantierte digitale Knappheit, Unabhängigkeit von Staaten oder Zentralbanken und einen hohen Grad an Zensurresistenz. Während ETFs auf die Stabilität der bestehenden Ordnung setzen, basiert Bitcoin auf einem System, das genau diese Ordnung in Frage stellt – nicht aus ideologischen, sondern aus strukturellen Gründen.
Betrachtet man Bitcoin als Spekulationsobjekt, dann kann man durchaus von einer Wette gegen die bestehende Ordnung sprechen. Viele Befürworter von Bitcoin betonen, dass diese hohe Stabilität in Zeiten einer systemischen Krise ihr volles Potenzial entfalten und Vermögensschutz bieten.
Komplementäre statt konkurrierende Anlageklassen
Gerade weil sich die Funktionen so deutlich unterscheiden, ergibt eine Kombination beider Assetklassen strategisch Sinn. In der modernen Portfoliotheorie gilt: Diversifikation bedeutet nicht, viele verschiedene Aktien zu halten, sondern Anlagen mit möglichst geringer Korrelation zueinander. Bitcoin ist in dieser Hinsicht interessant, weil sein Kursverlauf – trotz zunehmender institutioneller Beteiligung – bislang nur bedingt mit den traditionellen Märkten gekoppelt ist. In Krisenzeiten oder bei geldpolitischer Unsicherheit kann er daher eine wertvolle Absicherung darstellen.
Natürlich ist Bitcoin hochvolatil und birgt Risiken. Doch ein kleiner Anteil – typischerweise 1 bis 5 Prozent des Gesamtportfolios – reicht oft schon aus, um das Rendite-Risiko-Profil eines Depots messbar zu verbessern. Studien und Simulationen haben gezeigt: In vielen historischen Szenarien hätte selbst ein gering gewichteter Bitcoin-Anteil die Gesamtrendite erhöht, ohne das Verlustrisiko dramatisch zu verschärfen.
Risk-off oder doch Risk-on?
Ein häufig diskutierter Punkt in der Bitcoin-Debatte ist die Frage, ob es sich bei der Kryptowährung um ein sogenanntes Risk-off- oder Risk-on-Asset handelt. Risk-off-Anlagen – etwa Gold, Staatsanleihen oder Cash – gelten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit als sichere Häfen. Risk-on-Assets hingegen performen vor allem in Phasen expansiver Geldpolitik, hoher Liquidität und Wachstumsoptimismus. Auf den ersten Blick scheint Bitcoin klar der zweiten Kategorie zuzugehören, denn seine Kursentwicklung korreliert in vielen Marktphasen stark mit Technologieaktien, und bei sinkender Risikobereitschaft kommt es oft zu Kursrückgängen.
Doch dieser Eindruck trügt teilweise. Denn Bitcoin vereint Eigenschaften beider Welten. Strukturell ist er deflationär angelegt, besitzt keine Gegenparteirisiken und kann unabhängig von Finanzinstitutionen gehalten werden – Argumente, die ihn in systemischen Krisen eigentlich als Absicherungsinstrument qualifizieren würden. Tatsächlich war in ausgewählten geopolitischen oder monetären Stresssituationen eine verstärkte Nachfrage nach Bitcoin zu beobachten, etwa in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen oder hoher Inflation. Zugleich ist er aber noch zu jung, zu volatil und zu wenig etabliert, um in westlichen Märkten flächendeckend als sicherer Hafen wahrgenommen zu werden.
Für ETF-Investoren ergibt sich daraus eine ambivalente, aber interessante Ausgangslage: Bitcoin ist kein klassischer Hedge, wie ihn etwa Anleihen oder Rohstoffe darstellen. Doch gerade weil er anders reagiert und auf andere Narrative anspringt als der traditionelle Aktienmarkt, kann er einen Diversifikationseffekt erzeugen, der im Portfolio wertvoll ist. Die Tatsache, dass Bitcoin nicht in ein gängiges Schema passt, ist kein Nachteil – sondern ein Hinweis darauf, dass er eine ganz eigene Rolle im Gefüge moderner Vermögensallokation einnehmen kann.
Eine einfache Faustformel
Wer sich unsicher ist, wie hoch die eigene Krypto-Allokation sein sollte, kann sich an einer pragmatischen Formel orientieren: Je höher die Risikobereitschaft und je länger der Anlagehorizont, desto größer kann der Bitcoin-Anteil sein. Junge Anleger mit langfristigem Ziel und einem robusten ETF-Fundament könnten also bis zu 5 Prozent in Bitcoin investieren – vorausgesetzt, sie verstehen die Technologie und akzeptieren mögliche zwischenzeitliche Kurseinbrüche. Für sicherheitsorientierte Anleger mit kürzerem Zeithorizont reicht oft schon ein halbes Prozent als Beimischung aus, um positive Effekte zu erzielen.
Dennoch sollte auch diese Gruppe die Risiken nicht ignorieren. Bitcoin hat in der Vergangenheit dramatische Einbrüche erlebt. Enthusiasten nutzen diese Marktphasen gerne für Zukäufe, was aber nicht jedermanns Sache ist und sein muss.
Die Debatte „Bitcoin oder ETF?“ lenkt vom Wesentlichen ab. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch – um ein Portfolio, das aus unterschiedlichen Elementen besteht, die sich in ihrer Funktion ergänzen. ETFs bilden die Breite des Marktes ab, Bitcoin bringt ein Element der digitalen Knappheit und geldpolitischen Unabhängigkeit ein. Wer beide Komponenten bewusst kombiniert, muss sich nicht zwischen Stabilität und Innovation entscheiden – sondern nutzt das Beste aus zwei Welten.
Ein Kommentar zu „Kryptokenner – Bitcoin oder ETF“